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Frauen in der Totenfürsorge

oder wie sich ein Berufsbild entwickelt und verändert

Bild: Leichenbitterin, um 1865

Heute ist der Bestatter erster Ansprechpartner in einem Todesfall. Er versorgt den Verstorbenen und kümmert sich um anfallende organisatorische und bürokratische Angelegenheiten.

Das Berufsbild des Bestatters entstand – verallgemeinernd gesagt – zunächst aber vorrangig aus dem des Sargschreiners (Herstellung und gegebenenfalls Transport der Särge) und dem der Leichenfrau (Versorgung und Organisation), wobei der Beruf der Seelnonne oder Leichenfrau der weitaus ältere und eigenständigere ist, gewissermaßen die Hauptwurzel heutiger Bestatter.

Seelnonnen

Seelnonnen sind eine asketische und fromme Gemeinschaft, allerdings ohne klösterliches Gelübde. Regional unterschiedlich sind sie seit etwa dem ausgehenden 13. Jahrhundert nachweisbar. Zu ihren Aufgaben gehörte die ambulante Krankenpflege ebenso wie die Leichenbesorgung und die Totenklage. Sie wuschen und kleideten den Verstorbenen, beteten für sein Seelenheil und organisierten die Bestattung.

Erst im 19. Jahrhundert entwickelten sich daraus die von der Krankenpflege abgetrennten städtischen Leichenfrauen.

Leichenfrauen

Leichenfrauen, auch Leichenbesorgerin, Totenfrau, Seelfrau, Leichenweib, Einmacherin, usw. genannt, waren sodann bis weit in das 20. Jahrhundert hinein Frauen in einer zwar häufig sozial schwachen, aber dennoch selbständigen Position.

Sie wurden sofort nach Eintreten des Todesfalles hinzugezogen, übernahmen nicht nur den Dienst an dem Verstorbenen, sondern auch alle anfallenden organisatorischen Aufgaben der Bestattung, wie die Information des Pfarrers, Bestellung der Sargträger, des Kinder- und Posaunenchores und des Geläuts. Mancherorts waren sie zusätzlich auch in der Funktion des Leichenbitters unterwegs, um Freunde und Bekannte des Verstorbenen zur Beerdigung zu bitten.

Leichenbitterin

Das Leichenbitten kann eine zusätzliche Aufgabe der Leichenfrau sein, ist aber im Grunde ein eigenes Berufsbild. Ihr Beruf war oft mit weiten Fußwegen verbunden, ihr Lohn bestand in der Regel aus Naturalien.

Die Leichenbitterin wurde auch Leichenbeterin, -laderin, Ein- oder Ansagerin genannt. Sie wurde letztlich durch das Aufkommen von Todesanzeigen abgelöst.

Mit freundlicher Unterstützung des Museum für Bestattungskultur in Kassel,